Empowerment bei „kick“

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„kick for girls“ kann viel bewegen – das war das Ergebnis einer monatelangen Prüfung der step stiftung durch Phineo. Das Ergebnis ergab ein sehr großes Wirkungspotenzial des Projekts. Hervorgehoben wurden dabei der sehr gute Ansatz und das Konzept sowie die Qualitätsentwicklung des Projektes. Für die sehr gut fundierte Arbeit wurde das Projekt 2015 das PHINEO Wirkt-Siegel ausgezeichnet.

Einer zunehmenden Bedeutung wird dem Ansatz von Empowerment zugesprochen. Dr. Andres Schmidt, von Phineo, führte ein Interview mit der Projektkoordinatorin Kathrin Freudenberger und fragte nach, wie Empowerment bei „kick for girls“ umgesetzt wird.

Schmidt: Was bedeutet für Sie Empowerment? Was steckt für Sie in diesem Konzept?

Freudenberger: Unter Empowerment verstehen wir das Erkennen und Fördern von Stärken unserer Teilnehmerinnen. Auf der sportlichen Ebene möchten wir den Mädchen ermöglichen, die Fertigkeiten und auch das nötige Wissen zu erwerben, um an öffentlichen Sportangeboten teilnehmen zu können. In unserem Konzept sprechen wir von Partizipationsförderung. Dahinter steckt die Haltung, dass Teilnehmerinnen in die Gestaltung der Sport-AGs einbezogen werden, dass sie lernen Verantwortung zu übernehmen für sich, andere Personen oder Dinge und dass sie angeregt werden, eine eigene Position zu formulieren, Positionen anderer gelten zu lassen und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Schmidt: Welche Bedeutung hat der Gedanke von Empowerment für Ihr Projekt? Woran kann man (die Durchführenden, die Teilnehmenden oder eine außenstehende Person) diese Bedeutung bemerken?

Freudenberger: Empowerment spielt in unserem Projekt eine sehr zentrale Rolle. Wir wollen Mädchen, die bisher keinen oder nur sehr schwer Zugang zum (organisierten) Sport haben, Teilnahme und aktive Teilhabe ermöglichen. Die Sportpraxis ist nicht primär an sportlichen Zielen oder an bewährten Vermittlungsmethoden aus dem sportlichen Training orientiert, sondern an der konkreten Konstellation in der Gruppe. Uns ist wichtig, ein konstruktives Sozialklima zu schaffen, Kooperation vor Wettbewerb zu stellen, Miteinander vor Gegeneinander. Die Pädagoginnen bauen eine vertrauensvolle Beziehung zu den Teilnehmerinnen auf. Durch einen ressourcenorientierten Blick versuchen wir die Stärken der Mädchen zu erkennen und sie darin zu bestärken. Wir trauen den Teilnehmerinnen viel zu und vertrauen ihnen wichtige Aufgaben an. Dass dies ein erfolgreiches Vorgehen ist, zeigt unter anderem eine Rückmeldung einer Teilnehmerin auf die Frage, was sie in der AG gelernt habe: „Früher war ich total schüchtern. In der AG hab ich dann gesehen, ich kann doch was. Jetzt trau ich mich viel mehr.“

Schmidt: Wie setzen Sie Empowerment in Ihrem Projekt konkret um? Wo sehen Sie Chancen und Grenzen von Empowerment?

Freudenberger: Konkret sieht die Umsetzung von Empowerment so aus, dass wir den Mädchen Anerkennung vermitteln, sie loben, wenn Aktionen gut gelaufen sind. Die Teilnehmerinnen erleben ein wertschätzendes inkludierendes Klima und fühlen sich zugehörig (das konnten wir so auch empirisch ermitteln). Bei Abschlussrunden oder persönlichen Gesprächen werden positive Aktionen nochmals hervorgehoben, Probleme angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. In den einzelnen Sportgruppen übertragen die AG-Leiterinnen so viel wie möglich an Aufgaben, Funktionen und Verantwortlichkeiten an die Mädchen. Um die Partizipation der Mädchen zu fördern werden Regeln gemeinsam in der Gruppe ausgehandelt. Die jungen Heranwachsenden haben z.B. die Möglichkeit Spiele und Übungen mitauszuwählen und die Sportstunden mitzugestalten. Durch den Einsatz des Empowerment-Ansatzes werden verantwortungsbewusste, selbständige und umsichtige Personen heranwachsen, die sich in demokratischen Strukturen zurechtfinden. Damit dies gelingt ist ein sensibler und altersangemessener Umgang mit der Zielgruppe wichtig. Eine Strukturierung der Einheiten muss beibehalten werden und eine Überforderung durch das Anvertrauen von Aufgaben vermieden werden. Grenzen liegen auch dort, wo das soziale Umfeld der jungen Leute die eventuell erworbenen Haltungen und Kompetenzen nicht honoriert. Eine pädagogische Qualifizierung und Supervision der AG-Leiter*innen ist sehr wichtig.