Mädchenfußballtag und der Beitrag des SWR – ein Kommentar

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Am letzten Freitag gab in der Landesumschau des SWR einen kurzen Beitrag zum Mädchenfußballtag 2015 . Er ist noch zu sehen in der Mediathek des SWR und ich hoffe, dass wir danach die Genehmigung erhalten, ihn hier weiter zu zeigen. Zu diesem Beitrag möchte ich hier meinen persönlichen Kommentar veröffentlichen.

Eigentlich hatte ich mich gefreut, dass ein Film-Team des SWR zum Mädchenfußballtag kam. Als ich diesen 3-Minuten-Beitrag gesehen hatte, war davon nun gar nichts mehr übrig.

Von seriöser journalistischer Berichterstattung kann meiner Ansicht nach nicht die Rede sein, eher sehen wir laufende Mädchen auf Rasen mit einem tendenziösen Text vom verantwortlichen Redakteur Herrn Basters, in dem er sein Unverständnis des Frauenfußballs zum Ausdruck bringen möchte.
Für diesen Beitrag war es für Herrn Basters auch erlässlich, sich vorab über den Charakter oder die Ziele der Veranstaltung zu informieren, er unterließ es dann auch gleich, überhaupt mit den Veranstaltern zu sprechen. Das im Beitrag diese nicht ein Mal benannt wurden, ist die leider schon logische Konsequenz.

Hätte er die vorab auch dem SWR zugeschickte Pressemitteilung gelesen, eventuell sich auch im Internet über das Projekt informiert, so wäre ihm schnell deutlich geworden, dass es bei diesem Fußballtag um soziale Integration, Möglichkeiten der Partizipation von Kindern mit Migrationshintergrund, um das Miteinander von Kindern ganz unterschiedlicher Schularten und Stadteile und um das faire und harmonische Spiel von Kindern mit völlig unterschiedlichen Spielerfahrungen geht. Das alles ist öffentlich bekannt, wird seit Jahren vielfältig von der Stadt Freiburg, Vereinen, dem DFB, zahlreichen Stiftungen und Institutionen, Pädagogen und vielen ehrenamtlich Tätigen unterstützt. Das Projekt ist mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet worden, u.a. durch den Integrationspreis der Stadt Freiburg.

Herrn Basters war scheint’s nicht einmal klar, dass es sich nicht um ein Schulturnier der Freiburger Schulen handelte. So fragte er gleich mal die Mädchen, ob sie „denn freiwillig“ da seien. Die befragten Mädchen verstanden nicht so recht diese absurde Frage, woraus Herr Basters gleich folgerte, dass man sie “so groß nicht überreden” müsse.

Nun wurde ein Mädchen mit aufgemaltem Herz auf der Backe befragt, ob dies denn dem Fußball gewidmet sei. Weiter: “mit den Füßen und dem Ball – das funktioniert”? Das Kind antwortete nur “ja”, es hätte wohl besser geantwortet: “Machen Sie doch einfach die Augen auf”.
Stattdessen kommt Herr Basters nun zum Kern seiner Analyse, indem er mitteilt, Fußball sei „bei den Mädchen angekommen, eben wie bei den Jungs – oder jedenfalls fast so wie bei den Jungs“. Er möchte sich auf die Unterschiede zum Fußball bei Jungs konzentrieren. Dies war sicher nicht die Frage der spielenden 300 Mädchen, also werden diese auch nicht befragt. Aber es wird doch wohl eine Stimme zu finden sein, die in sein Raster passt. Er interviewt einen der drei oder vier anwesenden männlichen Betreuer, der wird schon ins Raster passen.
Leider auch nicht so richtig: Der Betreuer hebt ab auf mehr Rücksicht im Mädchenfußball und die positive soziale Kompetenz, zum Schluss auf die weiter zu entwickelnde Technik. Egal, Herr Basters kann es einfach zusammenfassen: “Also fehlt Technik”.
Er hätte zweifellos auch auf die ersten beiden Betrachtungen eingehen können, haben die doch gerade viel mit den Zielen der Veranstaltung zu tun. Aber weit gefehlt.

Schnitt: Aufwärmprogramm mit der SC-Mädchenfussballmannschaft.
Dann Interviews mit den SC-Spielerinnen: Zum Thema Spiel der Nationalmannschaft am selben Abend.
Das die interviewte Spielerin gleichzeitig im Projekt kick-for-girls ehrenamtliche Trainerin einer Mädchengruppe in einer Schule mit hohem Migrationsanteil ist, mit Knieschiene humpelnd 10 Stunden den Tag mit organisierte – alles uninteressant und keiner Frage wert.

Abschließend möchte Herr Basters vor seinem „Fazit“ den Bogen schließen: wissen denn die Mädchen nicht selbst, wie schlecht sie spielen?
Doch, eigentlich wissen sie es, denn sie schauen lieber “Männerfußball”. Dazu finden sich doch sicher O-Töne. Also stellt er ca. 12-jährigen Kindern die Frage, was sie denn lieber sehen würden. Ernst gemeint war die Frage sicher nicht, der Sender kennt ja genau die Einschaltquote von 12-Jährigen Mädchen und kann auch genau sagen, wie oft sie im letzten Jahr Frauenfußball übertragen haben. Aber er stellt eben gerne Fragen vom Ergebnis her. Auch ohne genaue Kenntnis von Zahlen weiß schon der gesunde Menschenverstand, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein 12-Jährige im letzten Jahr überhaupt eine Chance hatte, Frauenfußball zu sehen.
Herrn Basters brauchte diese „Antworten“ auch nur für sein Fazit: Mädchenfußball ist “schwer im Kommen”, aber eigentlich wissen sie, wie schlecht das alles ist, im Gegensatz zu kickenden gleichalterigen Jungs (zumindest in der Vorstellungswelt von Herrn Basters). Deshalb schließt er mit “schade nur, dass die Mädels lieber den Männern beim Kicken zuschauen”. Dazu passend die letzte Bildeinstellung: ein gelangweiltes Mädchen steht alleine im Tor …. Sicher hält es Ausschau nach den tollen Männern.

Der ganze Bericht hat mit dem veranstalteten Mädchenfußballtag nichts zu tun. Ohne Absprache mit den Veranstaltern wurden Bilder von Aktivitäten gemacht, um den Hintergrund für die krautigen Ansichten von Herrn Basters zum Mädchenfußball zu liefern. Da wäre er doch besser mit seinem Team ins nur 100 m entfernte Freibad gegangen, dort hätte er sicher auch spielende Kinder filmen können, um Hintergrundbilder zu seinem Ansichten-Beitrag zu generieren.
Ich habe bestimmt nichts gegen die persönliche Freiheit, dass Herr Basters Ansichten zum Mädchenfußball wie vor 20 Jahren noch einmal hervorholen möchte, aber ich bin empört über diese Instrumentalisierung der Veranstaltung von kick for girls.

Peter Rudnick

 

Foto: Richard Tuth