Football for hope – Mini-WM in der Bissierstraße in Freiburg

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Was mag einen da erwarten, wenn Jung und Alt an zwei Turniertagen ein Spiel austragen, das oft mehr Bedeutung hat, als alles andere? Am Freitag-Nachmittag trafen bei schönstem Wetter die Teams der Hammerschmiedsraße, der Karlschule und des Gastgebers, der Bissierstraße, am Runzmattenweg ein. Für die jungen Spieler der Bissierstraße schien dies ein ganz besonderes Ereignis zu sein: Schon anderthalb Stunden vor Beginn schlüpften sie in ihre Trikots und bemerkten, dass sie diese doch erst noch bügeln sollten, damit sie sich so auch sehen lassen können. Derweil statteten sich die mindestens genauso vorfreudigen Betreuer mit Spielplänen aus und wiesen ihre Spieler in die Regeln des Turniers ein. Nach einem zügigen Aufwärmprogramm, dem Aufbau des Verpflegungsstandes durch die Frauen des Flüchtlingswohnheims der Hammerschmiedstraße – Börek und reichlich Obst sorgten für Leckerbisse  zwischen den Spielen -, dem Aufbau der Turnierleitung und, zu guter Letzt, dem Aufbau der Torschussmessanlage des SC Freiburg – das Highlight des Tages! –  begann schließlich die erste Partie. Der Gastgeber in SC-Trikots eröffnete das Spiel unter neugierigen Zuschauern – es war schließlich das erste richtige Turnier auf dem Platz des Flüchtlingwohnheims Bissierstraße. Organisatoren und Betreuer waren sehr gespannt, wie sich das Turnier, das so viele verschiedene Nationalitäten vereinen sollte, entwickeln würde.

Zur Freude dürfen alle Organisatoren und Betreuer resümieren: Bei den Youngsters war das Turnier ein voller Erfolg! Die Spiele waren reich an Emotionen, Siegeswillen und Leidenschaft – vor allem blieben Freude sowie Enttäuschung im Team, Aggression oder Provokation wurden nicht nach außen getragen. Dies ist auch unter dem Fairplay-Perspetkive ein Riesenerfolg! TV Südbaden hielt treffende Jubelszenen fest, und ein Betreuer der Hammerschmiedstraße konstatierte, er hätte nicht gedacht, dass das Turnier so friedlich verlaufen würde, er wisse aus Erfahrung, welch harter Umgangston auf ihrem Trainingsplatz herrsche. Auch wenn es die Schiedsrichter nicht immer einfach hatten, freuten sich die Jungen am Ende des Tages: neben der Kickmöglichkeit unter Wettkampfbedingung nahm jeder Jugendliche eine persönliche Urkunde und jeweils ein SC Trikot mit.

Samstag – Tag zwei!

Mit Regen – so wie der gestrige Tag endete, begann der Zweite – dies war zunächst kein gutes Omen für das Turnier der Männer. Bei der Ankunft in der Bissierstraße erblickte man nichtsdestotrotz erste hochmotivierte Fußballer aus Kirchzarten, die sich schon auf dem Fußballplatz in der Bissierstraße versammeltet hatten, bevor das Aufbaukomitee eintraf. Schnell folgten die anderen Teams: das Flüchtlingswohnheim der Hammerschmiedstraße, der SV Ebnet, das Flüchtlingswohnheim St. Christoph, ein Studenten-Team und zuletzt das Gastgeber-Team, heute unter “Inter Freiburg”, stoßen vor Turnierbeginn um 15 Uhr dazu. Rasch wurde von Seiten der Männer die Meinung eingeholt, dass das Wetter ja wohl keinen Einfluss auf das Turnier haben werde. Ein Spieler handelte dies kurzerhand mit den folgenden Worten ab: „Das ist doch kein Regen – das ist gar nichts!“

Sofort wurden das Orga-Team gefragt, wo denn Bälle zum Einspielen seien, was es zu gewinnen gäbe und wer die ersten Spielgegner seien. Und das war nur der Anfang: Es kamen mehr Teams als sich angemeldet hatten. Dies forderte eine spontane Umplanung. Anders als vorgesehen, waren nun sechs Teams mit insgesamt 63 Spielern auf der Liste – und nur ein Spielfeld stand zur Verfügung. Zudem war keine Schussmessanlage wie am Tag zuvor da, die zum Kräftemessen und Überbrückung der Spielpausen einlud. Dutzende Männer tummelten sich also in Gruppen, verschiedene Sprachen hallten über das Gelände, und schon vor Beginn des Turniers begann ein Feilschen um die besten Positionen. Es dauerte entsprechend lange, bis die ersten zwei Mannschaften zum Anstoß bereit waren. Aber dann endlich der Anpfiff von Michael, Coach von Inter Freiburg, und das erste Spiel lief. Die Emotionen und der Siegeswillen war ebenso stark wie am Tag zuvor: Man hatte gar das Gefühl, die Männer verausgabten sich mit aller Kraft. Sie kämpften um jeden Ball und freuten sich über Tore und gewonnene Partien – natürlich ist der Sieg höchster Preis und höchste Anerkennung.  Selbstverständlich blieben Enttäuschung und Wut dabei nicht aus. Es ist für Spieler, OrganisatorInnen, BetreuerInnen und SchiedsrichterInnen sehr herausfordernd, in einer derart vielfältigen Gruppenzusammensetzung zusammen zu spielen  und zusammenzusein.  Es gab faires Händeschütteln, Wut, Enttäuschung und hitzige Situationen – viele Szenen waren tatsächlich ein Abbild der WM und eine große Herausforderung an die gesamte Gruppe.

Das Siegerteam ging mit Bällen und SC Trikots für den 1. Platz heim. Sie und alle weiteren Fußballer haben uns gezeigt, welche Ventilwirkung Fußball für sie hat,  welches Potenzial im Fußballspiel steckt, sofern es in richtiger Weise Gebrauch findet. Das Organisations- und Betreuerteam wurde noch nie zuvor so sehr darin bestärkt, was dieser Sport transportiert: Football for hope.

Ein ganz besonderer Dank gilt dem SC Freiburg mit Tobias Rauber, der durch sein Sponsoring und seine Teilnahme durch die Schussmessanlage den jüngeren Nachwuchsfußballern eine große Freude bereitet hat.

Zudem ein großer Dank an die Frauen der Hammerschmiedstraße unter Elke Scherr, die bei den kick for girls-Aktivitäten immer für das leibliche Wohl sorgen, und an die Kooperationsleitung vom DRK.

Bericht: Maria Greshake

Fotos: Sandra Megahed, Anja Hegewald und Peter Rudnick

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